#006 Die Natur als Lehrmeisterin
Shownotes
Warum Natur-Wissen Orientierung gibt Barbara Pucker, Direktorin des Nationalparks Hohe Tauern in Kärnten, betont: • Faktenbasiertes Wissen ist Grundlage für Verständnis. • Der Klimawandel ist in den Alpen messbar – etwa durch steigende Temperaturen • Bildung erklärt Zusammenhänge und schafft Akzeptanz in der Region. Mit einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe: „Es geht darum, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ Ihr Schlussgedanke: Naturbildung macht vielleicht nicht sofort eine bessere Welt – aber bessere Menschen
25 Jahre Swarovski Wasserschule Die Swarovski Wasserschule feiert 2025 ihr Jubiläum. Gegründet im Jahr 2000 auf Initiative von Gernot Langes-Swarovski, verbindet sie Umweltbildung mit nachhaltigem Engagement. Die Idee: Kindern die Bedeutung der Ressource Wasser verständlich und erlebbar machen – altersgerecht, praxisnah und mit direktem Naturkontakt. Die Initiative der Swarovski Foundation ist heute ein globales Projekt. Ihr Leitsatz: „Drops of Knowledge for Rivers of Change.“
Bildung für alle Generationen Nationalpark-Akademie Seminare und Tagungen zu Themen wie: • Almwirtschaft • Klimawandel • Mineralogie • Bergwald • Siedlungsgeschichte Zielgruppen: Naturinteressierte Menschen, Fachpublikum und Rangerausbildungsstätte.
Wasser- & Klimaschule • Unterricht ab der 1. Volksschule • Ranger:innen kommen ins Klassenzimmer • Experimente & Exkursionen • Lernen mit allen Sinnen
Projekttage im Nationalpark für Schulen
Junior-Ranger Programm
Ranger-Ausbildung • Zweijährige berufsbegleitende Ausbildung • Kombination aus Naturwissen, Vermittlungskompetenz und Praxis
Bildungszentren im Nationalpark Haus des Wassers, St. Jakob im Defereggental Umweltbildungszentrum und „Freiluftlabor“
Nationalparkwelten Mittersill Interaktive Ausstellung zur Entstehung der Hohen Tauern. Science Center
BIOS Nationalparkzentrum Mallnitz Ausstellung rangerlabs
Vom Schüler zum Nationalpark-Mitarbeiter Felix Germann begann mit sechs Jahren im Nationalpark-Bildungsprogramm – von der Volksschule bis zur Matura am BORG Mittersill, einer Partnerschule des Nationalparks. Heute arbeitet er selbst im Bereich Bildung, Öffentlichkeitsarbeit und Tourismus-Schnittstelle. Sein Fazit: „Wenn man seine eigene Heimat weiterentwickeln und schützen kann, dann ist das ein Traumberuf.“
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00:00:00: ,550 [Felix Germann (Gast)] Ja, mit sechs Jahren bin ich in die Volksschule gekommen. Da hat es eigentlich das Nationalparkbildungsprogramm für mich dann wirklich angefangen und das hat dann eigentlich angedauert, bis ich maturiert habe, bis achtzehn Jahre. Da habe ich im BORG Mittersill maturiert und das ist auch eine Partnerschule vom Nationalpark Hohe Tauern.
00:00:16: ,840 [Christian Brunner (Off-Sprecher)] "Aufgehorcht", der Podcast mitten aus dem Nationalpark Hohe Tauern. Mit faszinierendem Naturwissen, Begegnungen und besonderen Klängen.
00:00:27: ,800 [Christine Brugger (Moderatorin)] Wie ist der Nationalpark Hohe Tauern eigentlich entstanden? Welche seltenen Tiere und Pflanzen leben hier und wie überleben sie den Winter im Hochgebirge? Fragen über Fragen, auf die das breite Bildungsangebot des Nationalparks verständliche Antworten liefert. Christine Brugger sagt Willkommen zum "Aufgehorcht" Podcast rund um das Thema Bildung. Ich spreche mit Marisa Schiestl-Swarovski von der Swarovski Wasserschule, die heuer ihr fünfundzwanzigjähriges Bestehen feiert. Ich treffe Felix Germann, der schon als Sechsjähriger Nationalparkunterricht in der Volksschule genossen hat, und Barbara Pucker, Direktorin des Nationalparks Hohe Tauern in Kärnten. Von ihr möchte ich wissen, warum dieses Wissen über die Natur so wichtig ist.
00:01:20: ,119 [Barbara Pucker (Gast)] Das Wissen um die Natur ist deshalb meiner Meinung nach so wichtig, weil wir Menschen ja nicht die einzigen Lebewesen sind auf diesem Planeten. Wir stehen, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, in ständigem Austausch mit einer ganzen großen Fülle von Lebewesen, sei es Pflanzen oder Tieren. Und das beeinflusst uns natürlich. Und dann ist es einfach gut zu wissen, was sonst noch außer uns alles kreucht und fleucht.
00:01:51: ,870 [Christine Brugger (Moderatorin)] Ob groß oder klein, schauen wir uns die Angebote auf der Website Hohetauern. at genauer an. Hier finden wir die Nationalparkakademie, die ein bis zweitägige vertiefende Seminare zu Almwirtschaft, Mineralogie, Siedlungsgeschichte, Klimawandel, Bergwald und, und, und anbietet. Wer kommt da? Wer interessiert sich für diese Themen und investiert Zeit in die Weiterbildung?
00:02:20: ,000 [Barbara Pucker (Gast)] Unser Publikum ist sehr breit gestreut. Wir haben einerseits wunderbarerweise ein Stammpublikum. Wir haben viele Menschen, die wirklich seit Jahren sich freuen auf das neue Programm unserer Akademie und dann schon im Vorhinein für das kommende Jahr sich einbuchen, um an unseren Seminaren und Tagungen teilzunehmen. Wir versuchen aber auch, ständig neue interessierte Gruppen beziehungsweise Einzelpersonen anzusprechen. Beispielsweise haben wir einen besonderen Schwerpunkt auf die Almwirtschaft, wo wir also besonders Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer im Nationalpark versuchen, mit aktuellen Themen zu interessieren und es kommen zu uns auch sehr viele Lehrerinnen und Lehrer. Dadurch motiviert, dass wir ja im Rahmen unserer sogenannten Wasserschul- und Klimaschulformate sehr viel vom Nationalpark in die Schulen, in die Klassen selbst bringen. Und dadurch sind, wie gesagt, sehr viele Lehrerinnen motiviert, sich selbst auch diesbezüglich weiterzubilden.
00:03:24: ,780 [Christine Brugger (Moderatorin)] Damit sind wir dann schon bei der nächsten Zielgruppe: Die Schülerinnen und Schüler. Da gibt es, Sie haben es schon angesprochen, ein speziell auf die unterschiedlichen Schulstufen abgestimmtes Programm. Der Unterricht findet im Klassenzimmer und in der Natur statt. Dass die Nationalparkrangerinnen und -ranger in die Schule kommen, ist ein besonderes Erlebnis. Was ist das Ziel dieses Unterrichts ab der ersten Klasse Volksschule?
00:03:53: ,500 [Barbara Pucker (Gast)] Das Ziel unserer Wasserschule beziehungsweise unserer Klimaschule ist es, den Kindern altersadäquat, selbstverständlich, einerseits theoretische Grundkenntnisse über den Wasserhaushalt, jetzt, wenn wir von der Wasserschule sprechen, beziehungsweise über die klimatologischen und meteorologischen Verhältnisse, wenn wir von einer Klimaschule sprechen, zu vermitteln. Das heißt, wir haben hier
00:04:17: ,220 [Barbara Pucker (Gast)] uns ganz spezielle Lerninhalte und Formate überlegt, wie wir in den Klassenräumen kleine Versuche machen können, um es anschaulich zu machen für die Kinder. Und dann gehen unsere Rangerinnen und Ranger immer auch hinaus in die Natur, suchen, was natürlich in einer größeren Stadt oftmals eine Herausforderung ist, ein Gewässer, wo sie mit den Kindern hingehen können. Das ist natürlich, im ländlichen Raum einfacher, aber auch in städtischen Bereichen finden unsere Rangerinnen und Ranger immer ein Umfeld, wo sie wirklich vor Ort und ganz haptisch und direkt wahrnehmbar und sinnlich erfühlbar den Kindern Zusammenhänge vermitteln können.
00:05:03: ,760 [Christian Brunner (Off-Sprecher)] Musik]
00:05:06: ,600 [Christine Brugger (Moderatorin)] Die Swarovski Wasserschule hat 2025 ihr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum gefeiert. Marisa Schiestl-Swarovski ist Vorsitzende der Swarovski Foundation. Wie kam es zu diesem Engagement des Unternehmens, das für Kristallschmuck und Optik bekannt ist? Was genau ist damals passiert?
00:05:29: ,940 [Maria Schiestl-Swarovski (Gast)] Also, im Jahr 2000 war mein Onkel Gernot Langes-Swarovski sehr engagiert und ein Naturliebhaber und ihm war es ein Herzensanliegen, dass junge Menschen verstehen, wie wichtig die Ressource Wasser ist, von der wir alle leben und die uns alle umgibt. Damals war er Präsident vom Verein Fans and Friends Nationalpark Hohe Tauern und hat gemeinsam in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark, ähm, die Wasserschule gegründet. Das war-
00:06:07: ,539 [Maria Schiestl-Swarovski (Gast)] ... damals so, dass die Wasserschule mit sehr engagierten Lehrerinnen und Lehrern, aber auch Schülern in den einzelnen Bundesländern unterrichtet wurde, das Bildungsprogramm in Kärnten, Salzburg und auch in Tirol.
00:06:23: ,780 [Christine Brugger (Moderatorin)] Warum engagiert sich das Unternehmen Swarovski, jetzt die Foundation, für das Thema Wasser? Inwieweit hat das etwas mit ihrer Firmengeschichte zu tun?
00:06:34: ,720 [Maria Schiestl-Swarovski (Gast)] Wir feiern ja dieses Jahr 2025 auch ein Firmenjubiläum. Hundertdreißig Jahre. Nicht nur
00:06:44: ,460 [Maria Schiestl-Swarovski (Gast)] hohe Handwerkskunst, kreatives Design, sondern eigentlich auch soziales Engagement. Und der Gründer des Unternehmens, Daniel Swarovski, hat auch damals schon gesagt: Wenn man nachhaltig wirklich eine Verbesserung machen will und Erfolg haben will, dann muss man nicht nur oder darf nicht nur an sich selbst denken, sondern muss an seine Mitmenschen denken. Und das ist die Basis, die eigentlich bis heute uns und auch das Unternehmen vorantreibt und auch die Basis ist von unserer Swarovski Foundation. Warum wir uns darum kümmern, ist auch ein bisschen Entstehungsgeschichte, weil der Daniel Swarovski damals von Tschechien nach Tirol ist, sich in Tirol niedergelassen hat, nicht zuletzt wegen der Wasserkraft, weil mit Wasserkraft zu schleifen, Kristalle zu schleifen, was damals eine Weltneuheit war und eine Innovation, er dort eben den Wattenbach gefunden hat, der auch heute noch ein Kraftwerk ist und uns mit Strom versorgt.
00:07:54: ,400 [Christine Brugger (Moderatorin)] War das vor fünfundzwanzig Jahren vorstellbar, dass die Wasserschule so ein globales Projekt, so ein Erfolg wird?
00:08:04: ,900 [Maria Schiestl-Svarovski (Gast)] Das war es natürlich nicht. Und wenn man jetzt zurückschaut, muss man auch sagen und ich denke auch ganz persönlich daran, jeder Mensch kann eine Änderung machen, egal wie klein sie ist. Und wenn man etwas verbessern will, um unsere Welt nachhaltiger zu machen, was das für Auswirkungen hat. Damals war es eine Handvoll engagierter Lehrerinnen und Lehrer und Schüler und es war ein Unterrichtsprogramm, das hier in, in Österreich stattgefunden hat. Mittlerweile ist es eine globale Initiative, die aber nur funktioniert, weil wir zusammenarbeiten. Und es ist wunderbar zu sehen eigentlich, was für ein Schneeballeffekt dadurch entsteht, dass die Menschen, die damals
00:08:46: ,970 [Maria Schiestl-Svarovski (Gast)] junge Schüler waren, das Programm durchlaufen haben, heute Umweltaktivisten sind oder Gemeindevertreter. Einfach Menschen, die Opinion Leader sind und was zu sagen haben und denen die Ressource Wasser am Herzen liegt auf der ganzen Welt.
00:09:03: ,360 [Christine Brugger (Moderatorin)] "Drops of Knowledge for Rivers of Change" lautet ein Slogan der Wasserschule. Tropfen von Wissen werden zum Fluss der Veränderung. Ein schönes Bild und eine starke Botschaft.
00:09:18: ,040 [Maria Schiestl-Svarovski (Gast)] In der Swarovski Foundation ist die Bildung der rote Faden, zieht sich durch all unsere Bereiche und wir glauben, dass Bildung der Schlüssel ist, um die Welt nachhaltig zu verbessern. In den diversesten Projekten Creativity, Water oder auch Equity in unserem Bereich und Drops of Knowledge for Rivers of Change ist ein Slogan, der sich auch in unserem Netflix-Film über die Wasserschule wiederfindet. Und ja, ein, ein wunderschöner Satz, der sich eigentlich durch das Wasser zieht und durch die ganze Foundation zieht.
00:09:57: ,040 [Christine Brugger (Moderatorin)] Das Gegenteil vom Tropfen auf dem heißen Stein, der einfach verdampft und den Menschen suggeriert, sie könnten durch ihre persönliche Haltung und Handlung nichts verändern. Wie hat die Swarovski Foundation diesen Perspektivwechsel hin zur Hoffnung und nachhaltigen Entwicklung eigentlich geschafft?
00:10:19: ,120 [Maria Schiestl-Svarovski (Gast)] Dank der Partner. Also wir wissen, dass wir alleine gar nichts ausrichten können und dass man eigentlich immer zusammenarbeiten muss mit Partnern auf der ganzen Welt. Das fing hier im Nationalpark an, mit dem Nationalpark Hohe Tauern und dem Verein Fans and Friends vom Nationalpark. Gemeinsam haben wir dieses Projekt entwickelt und nur gemeinsam kann man eben wirklich etwas bewirken. Man hat unterschiedliche Ressourcen, man hat unterschiedliches Know-how, aber man kann gemeinsam eine Änderung herbeiführen, die dann wirklich nachhaltig ist. Man sieht es ja auch, dass, äh, dank des Nationalparks Bildung zu Action wurde. Und wir schaffen es, die Bildung in Aktion umzusetzen. Dass die Kinder rausgehen und Wasser verstehen lernen. musik]
00:11:14: ,160 [Christine Brugger (Moderatorin)] Mit dem Element Wasser beschäftigt sich auch das Haus des Wassers in Sankt Jakob im Defereggental, eines der Bildungszentren des Nationalparks Hohe Tauern. Unweit der Schwarzach, die als Freiluftlabor für Experimente dient, bietet das Umweltbildungszentrum Projekttage für Schulklassen und Erwachsene an. Mit dem Adler fliegen kann man im Nationalparkhaus in Matrei. Im Klausnerhaus in Hollersbach befindet sich eine Nationalparkwerkstatt und die Nationalparkwelten in Mittersill laden zu einer Zeitreise in die Entstehung der Hohen Tauern ein. In Kärnten gibt es zwei weitere Besucherzentren.
00:11:57: ,616 [Barbara Pucker (Gast)] Wir haben das Haus der Steinböcke in Heiligenblut und das BIOS Nationalparkzentrum in Mallnitz. In beiden Häusern haben wir Ausstellungen gestaltet, freuen uns über regen Besuch und versuchen, durch besondere Aktivitäten und Kooperationen, möglichst viele Menschen zu motivieren, in unsere Häuser zu kommen. Beispielsweise haben wir eine ganze Reihe von Partnerbetrieben. Das sind Beherbergungsbetriebe in der Nationalparkregion und alle Gäste dieser Betriebe können bei freiem Eintritt in unsere Häuser gehen und auch an rangergeführten Touren ohne zusätzliche Kosten teilnehmen. Und da wird der Nationalpark erwandert, aber vor allem wird auch sehr viel Wissen und sehr viel Zusammenhänge vermittelt.
00:12:49: ,196 [Christine Brugger (Moderatorin)] Mit etwas Glück sieht man die Steinböcke dann auf einer geführten Ranger-Tour, live und in der Natur. Apropos Rangerinnen und Ranger, da gibt es ebenfalls Ausbildungen. Angefangen vom zweiwöchigen Junior-Ranger-Programm, das sich an Jugendliche zwischen dreizehn und fünfzehn Jahren richtet. Innerhalb von zwei Wochen lernen sie das vielfältige Feld der Ranger-Tätigkeit kennen. Die eigentliche Ranger-Ausbildung erstreckt sich hingegen über zwei Jahre. Wer macht da mit? Wer interessiert sich dafür?
00:13:24: ,596 [Barbara Pucker (Gast)] Einerseits machen Menschen mit, die sich für den Rangerinnen beziehungsweise Ranger-Beruf tatsächlich ganz konkret interessieren, aber auch gar nicht so wenige interessierte Personen, die das für sich als persönliche Weiterbildung und Entwicklung sehen.
00:13:40: ,736 [Christine Brugger (Moderatorin)] Welche Rolle spielen diese Bildungsangebote, ob hoch- oder niederschwellig, für die Akzeptanz des Nationalparks in der Region, in der Bevölkerung der Nationalparkgemeinden?
00:13:53: ,455 [Barbara Pucker (Gast)] Die Bildungsangebote und wenn man diesen Begriff sehr weit spannt, spielen eine sehr, sehr große Rolle, vor allem, um das Verständnis für diese oftmals sehr, sehr komplexen Zusammenhänge. Dadurch, dass es erklärt wird und dadurch, dass konkrete Beispiele dargelegt werden, was, wo, mit wem und wie zusammenhängt, nämlich, dass letztlich alles miteinander zusammenhängt.
00:14:22: ,516 [Christine Brugger (Moderatorin)] musik] Einer, der diese Bildungsprogramme von der Volksschule an genossen hat, ist Felix German, heute Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung in Mittersill. Offenbar hat das seine Karriere beeinflusst. Wie war das damals?
00:14:40: ,236 [Felix Germann (Gast)] Ja, sehr spannend und vor allem sehr praxisnah und das, glaube ich, hat es ausgemacht. Aber auch das Vermitteln durch die Nationalpark-Ranger in unterschiedlichste Bereiche, da im Science Center, zum Beispiel, sind wir gewesen oder auch in der Klaus, äh im Klausenhaus, in der Nationalparkwerkstatt in Hollersbach. Und da hat man eben sehr, sehr praxisbezogen gelernt, was man aus Naturmaterialien machen kann und wie man sie den Nationalpark einerseits, wie man nützen kann, aber eben auch, warum es wert ist, ihn gut zu schützen. Und das war das Einzigartige tatsächlich.
00:15:11: ,096 [Christine Brugger (Moderatorin)] Wie alt warst du, Felix?
00:15:13: ,656 [Felix Germann (Gast)] Ja, mit sechs Jahren bin ich in die Volksschule gekommen. Da hat es eigentlich das Nationalparkbildungsprogramm für mich dann wirklich angefangen und das hat dann eigentlich angedauert, bis ich maturiert habe, bis achtzehn Jahre. Da habe ich im BORG Mittersill maturiert und das ist auch eine Partnerschule vom Nationalpark Hohe Tauern.
00:15:27: ,756 [Christine Brugger (Moderatorin)] Was sind da die Fächer, die Unterrichtsthemen?
00:15:31: ,415 [Felix Germann (Gast)] Wie man sie vielleicht denken kann, sehr, sehr stark natürlich mit naturwissenschaftlichem Bezug. In Biologie, Geografie hat man das Thema immer wieder aufgegriffen und damit war es halt wirklich sehr, sehr lebendig.
00:15:43: ,335 [Christine Brugger (Moderatorin)] Und wart ihr auch im Gelände unterwegs?
00:15:46: ,756 [Felix Germann (Gast)] Ja, das waren wir tatsächlich fast jährlich, dass wir irgendwo unterwegs waren. Ich kann mich noch sehr, sehr gut erinnern. Als Jahresabschluss haben wir uns in der ersten Mittelschule oder Hauptschule, damals noch, eine Wanderung auf die Fürther Hütte gemacht und da erinnere ich mich jetzt noch sehr lebendig daran und wir machen tatsächlich im erweiterten Freundeskreis auch immer wieder Witze darüber, weil natürlich total viele lustige Sachen auf so einer Wanderung passieren.
00:16:08: ,175 [Christine Brugger (Moderatorin)] Dein Berufswunsch ist damals schon entstanden?
00:16:13: ,276 [Felix Germann (Gast)] Ja, ich habe den Umweg über den Lehrberuf gemacht. Also ich war dann tatsächlich Lehrer vorher in der Volksschule in Neukirchen, einer Nationalparkpartnerschule und dann in der Mittelschule in Mittersill, auch wieder eine Nationalparkpartnerschule. Und für mich war der Nationalpark immer so etwas, ja, wie soll ich sagen, so etwas sehr, sehr Edles als Berufswunsch, als Berufsziel. Und dann hat es die Jobausschreibung gegeben und dann habe ich mich dafür beworben.
00:16:38: ,796 [Christine Brugger (Moderatorin)] Wie geht's dir jetzt in deinem Traumberuf? Darf man das so sagen?
00:16:42: ,635 [Felix Germann (Gast)] Ja, absolut. Also ich glaube, wenn man seine eigene Heimat, seine eigene Region weiterentwickeln und schützen kann, dann ist das definitiv ein Traumberuf. Es geht mir sehr, sehr gut damit. Der Job ist sehr abwechslungsreich. Ich erlebe jeden Tag was Neues. Ich darf
00:16:58: ,796 [Felix Germann (Gast)] den eigenen Ort, wo ich aufgewachsen bin, immer besser kennenlernen und das macht's schon sehr, sehr besonders, für so ein Schutzgebiet zu arbeiten.
00:17:06: ,316 [Christine Brugger (Moderatorin)] Wie ist es, wenn man in einer Nationalparkgemeinde sich für den Nationalpark engagiert? Wie ist die Akzeptanz?
00:17:15: ,376 [Felix Germann (Gast)] Ja, ich glaube, da haben unsere Vorväter tatsächlich sehr, sehr viel Pionierarbeit geleistet, dass man eben gewisse Gegensätze, die woanders Gegensätze sind, hier auch tatsächlich zusammendenkt. Also, das merkt man auch bei uns jetzt im Haus, da ist die Ferienregion, also als Tourismusmarke und das Schutzgebiet als Verwaltung im selben Haus. Das führt natürlich zu einem gegenseitigen Verständnis, was essenziell ist, um die Akzeptanz auf Dauer natürlich zu erhalten.
00:17:42: ,476 [Christine Brugger (Moderatorin)] Felix, du bist jetzt für Bildung, Öffentlichkeitsarbeit und als Schnittstelle zum Tourismus in der Nationalparkverwaltung tätig, koordinierst die Ranger-Programme. Wo ist dein Lieblingsplatz im Nationalpark Hohe Tauern?
00:17:59: ,484 [Felix Germann (Gast)] Um ehrlich zu sein, dort wo relativ wenige Menschen hinkommen, weil da sieht man noch wirklich das Ursprüngliche, das Unberührte. Ich muss aber auch sagen, es gibt total viele Bereiche, wo die Kulturlandschaft genau das zeigt, warum es eben diese Schnittstelle gibt. Ich nehme mal als Beispiel: Das Wildgerlostal, wenn man da den Leitenkammersteig rausgeht. Ich habe das heuer im Oktober machen können und das war einfach traumhaft schön. Ich war heuer im Oktober am Talschluss im Stubachtal und da fühlt man sich einfach, wie wenn man irgendwo in Nordamerika ist. Also ich glaube, genau diese Vielfalt macht's aus. Einerseits das Unberührte und andererseits aber auch die genutzten Regionen.
00:18:38: ,303 [Christine Brugger (Moderatorin)] Musik]
00:18:42: ,583 [Christine Brugger (Moderatorin)] So entwickeln sich alle Bildungsprogramme des Nationalparks Hohe Tauern ständig weiter, sowie die Natur, das Klima und die Gesellschaft. Zurück zu Direktorin Barbara Pucker: Inwieweit kann Nationalparkbildung auch Orientierung bieten in unsicheren Zeiten?
00:19:01: ,944 [Barbara Pucker (Gast)] Unsere Bildungsangebote, und hier denke ich immer an einen sehr großen Rahmen, das ist für mich nicht nur ein Seminar oder ein Vortrag, sondern das sind auch Beiträge auf unserer Homepage, Hinweise in der Natur, die wir auch setzen, Tafeln beim Lehrweg oder Ähnliches. Und da haben wir sehr viel davon und das ist mir persönlich ein ganz besonderes Anliegen, weil letztlich geht es einzig und allein darum und hier gibt es ein wunderbares Zitat: Schon Goethe hat gesagt: "Es geht darum, was die Welt im Innersten zusammenhält".
00:19:37: ,563 [Christine Brugger (Moderatorin)] Liegt hier auch eine Chance der Bewusstseinsbildung bei jenen, die das vielleicht nicht so sehen? Klimawandel, Artenschutz, Biodiversität.
00:19:50: ,264 [Barbara Pucker (Gast)] Hier ist es mir ein großes Anliegen, zuallererst faktenbasiertes Wissen zu vermitteln. Das ist die Voraussetzung, meiner Meinung nach, jeglichen Verständnisses. Wenn ich höre: Ja, in den Alpen haben wir tatsächlich schon zwei Grad Steigerung der, der Temperatur, könnte man sich denken: Mein Gott, ja, aber es schneit ja trotzdem und früher war es auch wärmer. Aber wenn man jetzt ganz konkret im Dezember fünfundzwanzig nachlesen kann, und es liegt ja alles vor, dass die Temperaturen über zweitausend Meter Höhe tagsüber sechs, sieben, acht Grad plus hat und mehr, dann ist das ganz konkret messbar. Das ist der Klimawandel in den Alpen.
00:20:30: ,103 [Christine Brugger (Moderatorin)] Wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält, macht das auch eine bessere Welt?
00:20:37: ,764 [Barbara Pucker (Gast)] Ob es eine bessere Welt macht? Es macht bessere Menschen.
00:20:42: ,944 [Christine Brugger (Moderatorin)] Okay, jetzt kann ich es ja zugeben: Auch ich habe die Ausbildung zur Nationalpark-Rangerin gemacht und viele Seminare der Nationalpark-Akademie besucht. Mein Fazit: Je mehr man über die Natur weiß, desto mehr sieht man auch. Und ob man eine Wasseramsel am vereisten Fluss entdeckt, Arnika auf einer Almwiese oder einen Steinbock im Ködnitztal, diese Begegnungen machen glücklich.
00:21:11: ,904 [Christine Brugger (Moderatorin)] Mit diesem Geständnis verabschiedet sich Christine Brugger. Danke fürs Dabeisein. Ich freue mich auf die nächste Ausgabe von "Aufgehorcht".
00:21:23: ,484 [Christian Brunner (Off-Sprecher)] Musik] Das war "Aufgehorcht" – ein Stück Natur für deine Ohren. Mehr davon? Entdecke alle Folgen auf hohetauern.at und auf Spotify. Oder noch besser, vorbeikommen und den Nationalpark Hohe Tauern live erleben!
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