#004 Almwirtschaft im Nationalpark Hohe Tauern

Shownotes

Thema der Folge: Almwirtschaft im Nationalpark Hohe Tauern – Tradition, Biodiversität und neue Wege

In dieser Episode erfährst du: • Warum Almen ein zentrales Kulturgut und Hotspot der Biodiversität sind • Wie die Familie Preßlaber seit Generationen die Kessler Alm bewirtschaftet • Welche Rolle Direktvermarktung, Wasserkraft und Familienarbeit spielen • Wie Naturschutz und Landwirtschaft im Nationalpark zusammenarbeiten • Was Vertragsnaturschutz bedeutet und warum er für Almen so wichtig ist • Wie Klimawandel, Wassermangel und Verbuschung die Almwirtschaft verändern • Wie der Verein Alpinus mit der Wildalm neue, moderne Almkonzepte umsetzt • Warum Wertschätzung für Almprodukte entscheidend für die Zukunft ist

Zu Gast: • Susanne Aigner – Ökologin und Almberaterin • Liesel & Armin Preßlaber – Kessler Alm, Osttirol • Ronja Landvogt – Verein Alpinus, Wildalm • Johannes Tildach, Andi Görner, Claudia Greimel – Wildalm-Team

Eine Podcastfolge über harte Arbeit, Idealismus, Biodiversität – und darüber, warum die Alm auch im 21. Jahrhundert eine Zukunft hat.

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00:00:02: ,140 [Susanne Aigner (Gast)] Im Alpenraum haben wir einfach seit vielen Hunderten bis Tausenden Jahren die almenwirtschaftliche Nutzung und das ist unsere Kulturlandschaft, die die Artenzusammensetzung hat, die bei uns etabliert ist und wo sich unsere Tierwelt angepasst hat, die es auch zu erhalten gilt. Einerseits für die Tierwelt, aber andererseits auch für uns als Menschen, als Erholungsraum und als altes Kulturgut. Es ist ja die Almenwirtschaft eine Form des Nomadentums. Das ist ja eine Form der Transhumanz und das ist ja was, auf was wir stolz sein können.

00:00:34: ,300 [Christian Brunner (Off-Sprecher)] Aufgehorcht. Der Podcast mitten aus dem Nationalpark Hohe Tauern mit faszinierendem Naturwissen, Begegnungen und besonderen Klängen.

00:00:45: ,640 [Christine Brugger (Moderatorin)] Rund dreihundertfünfzig Almen gibt es im Nationalpark Hohe Tauern. Das entspricht einer Fläche von einundneunzigtausend Hektar. Sie spielen eine wichtige Rolle für die Kulturlandschaft, die Biodiversität, die Landwirtschaft und den Tourismus. Christine Brugger sagt Servus und willkommen zum Nationalpark Podcast rund die Almenwirtschaft. Wir wandern auf die Wildalm im Pinzgau, treffen die Ökologin Susanne Aigner und besuchen die Familie Preßlaber in Matrei. Deren Kessler Alm gehört zum Innerlumasegger-Hof in Osttirol. Sie liegt über dem Tauerntal auf fast zweitausend Meter Seehöhe. Armin Presslaber und seine Familie bewirtschaften hier dreihundertfünfzig Hektar Almfläche zwischen den mächtigen Gipfeln des Muntanitz und des Nussingkogels. Mutter Liesl ist seit vierundvierzig Sommern auf der Alm. Wie kommt man eigentlich vom Hof auf die Kessler Alm, Liesl?

00:01:47: ,820 [Liesel Preßlaber (Gast)] Ja, zuerst sind wir zu Fuß mit den Viechern und dann, wenn wir den Traktor gehabt haben, dann haben wir sie immer mit dem Traktor geführt bis Raneburg. Dann wieder zwei Stunden, zweieinhalb Stunden zu Fuß auf die Alm, die Viecher, ja. Jetzt fahren wir über die Taxer Alm rauf mit den Viechern, ja, und in der Früh werden sie aufgeladen auf zwei Traktoren, wenn wir halt die ersten reintreiben, die Kalbinnen und nachher bis zur Taxa Alm geführt und dann zu Fuß hinauf, ja.

00:02:19: ,140 [Christine Brugger (Moderatorin)] Die Alm ist seit neunzehnhundertsiebenundfünfzig in Besitz eurer Familie und eine vergleichsweise große Alm. Wie teilen sich die Flächen auf, Armin?

00:02:33: ,220 [Armin Preßlaber (Gast)] Ja, die große Alm ist schön langsam eigentlich groß geworden. Ähm, neunzehn siebenundfünfzig wie sie der Großvater gekauft hat oder meine Großeltern war eigentlich nur ein kleiner Teil oder die Hälfte kann man sagen, damals. Und das war dann, glaube ich, zehn Jahre später oder einige Zeit später hat er die restliche Hälfte dazugekauft und so kleinweise halt noch ein paar Bergmüller dazu kommen. Mein Vater hat auch noch mal ein paar dazugekauft und so ist die Größe eigentlich entstanden. Und jetzt schauen wir, dass wir das in der Größe weiterbringen und pflegen jedes Jahr. Im Sommer bin ich im Haupterwerb, aber im Winter gehe ich schon eine Arbeit nach als Installateur.

00:03:08: ,820 [Christine Brugger (Moderatorin)] Wie viel Vieh ist auf der Kessler Alm im Sommer unterwegs?

00:03:12: ,040 [Armin Preßlaber (Gast)] Also Rindviecher sind einmal ungefähr bei sechzig Stück von allen Altersklassen, klein und alt. Und Schaf ist unterschiedlich, aber so zwischen dreihundert Stück Schaf sind auch jedes Jahr oben.

00:03:24: ,500 [Christine Brugger (Moderatorin)] Von den sechzig Rindviechern sind auch einige Milchkühe dabei?

00:03:28: ,160 [Armin Preßlaber (Gast)] Ganz genau. Kühe haben wir so ungefähr, ist auch nicht alle Jahre gleich, aber zwischen zehn und dreizehn Stück. Die tun wir dann oben melken, zweimal im Tag, so wie halt ein jeder. Und den Großteil der Milch tun wir oben verarbeiten.

00:03:42: ,799 [Christine Brugger (Moderatorin)] Dass die Milch auf der Alm verarbeitet wird, Liesl, war das schon immer so?

00:03:47: ,960 [Liesel Preßlaber (Gast)] Ja, früher nicht so viel. Nur für den Eigengebrauch ganz früher. Und dann, wie halt die Direktvermarktung angefangen hat, seither immer - immer mehr.

00:03:58: ,120 [Christine Brugger (Moderatorin)] Was wird da produziert?

00:04:01: ,250 [Liesel Preßlaber (Gast)] Butter , Graukäse und Schnittkäse.

00:04:04: ,560 [Christine Brugger (Moderatorin)] Was für eine Rolle spielt die Vermarktung für euch?

00:04:07: ,700 [Armin Preßlaber (Gast)] Die Produkte werden wöchentlich auf dem Stadtmarkt in Linz verkauft von meiner Frau selber und es spielt bei uns eine größere Rolle, weil es eine Mordseinnahme ist für uns. Wohl arbeitlich auch viel Aufwand, aber das rentiert sich und na, das schaffen wir eigentlich ganz gut.

00:04:25: ,940 [Christine Brugger (Moderatorin)] Das klingt alles nach viel Arbeit. Wer hilft da mit?

00:04:29: ,220 [Armin Preßlaber (Gast)] Ja, das kann man oft gar nicht aufzählen, weils fast a’ jede Hand braucht, der was Zeit hat. Aber ich, ich und meine Mama und meine Frau, die Jasmin, die Kinder, es kommen auch schon schön langsam nach und meine Geschwister und Nichten und Neffen sind eigentlich alle dabei, ja.

00:04:47: ,360 [Liesel Preßlaber (Gast)]’ Je nach Wetter, je nach, äh, Zeit, wenn Ferien sind, dann sind die Enkelkinder viel da oben und dann helfen halt alle, ja. Und die Mütter von den Kindern, ja, sind oft, ja, vierzehn, fünfzehn Leute. Na, an einem Tisch haben sie nicht Platz. [Lachen]

00:05:04: ,520 [Christine Brugger (Moderatorin)] Dann wird in zwei Schichten gegessen.

00:05:06: ,980 [Liesel Preßlaber (Gast)] Ja so, so ungefähr, ja. Einmal die Kinder und dann, dass die Arbeitsleit’ Ruhe haben, [Lachen] mit Ruhe essen mögen, ja.

00:05:15: ,280 [Armin Preßlaber (Gast)] Mir taugts auch, ja, je mehr desto besser.

00:05:18: ,560 [Christine Brugger (Moderatorin)] Armin, was sind die Herausforderungen auf der Alm ,neben der Betreuung des Viehs? Was gilt es da zu beachten?

00:05:27: ,920 [Armin Preßlaber (Gast)] Ja, im Frühjahr ist mal erst einmal alles wieder hinter zu räumen, was der Winter, wenn er Schaden gemacht hat. Wir sind Gott sei Dank in einer guten Lage, dass es nicht schlimm ausfällt. Und dann ist halt das ganze Jahr auf die Zäune aufzuschauen, ob sie ganz sind, ob sie ganz geblieben sind. Der Steinschlag spielt bei uns ein bisschen eine Rolle. Und Unwetter, ja, je nachdem, wie stark das Unwetter ausfällt, wenn's eins gibt, wie's 2017 war. Und das ist dann halt wieder zum Hinterräumen und zum Schauen, dass wir die Flächen so instand erhalten. Das ist ein bissl das, das ist eigentlich das Augenmerk, was wir im Sommer immer haben. Ja. Wenn nicht gerade auf dem Feld die Arbeit ist.

00:06:11: ,976 [Christine Brugger (Moderatorin)] 2017. Das Unwetter war mehr als ein bisschen Hinterräumen. Das hat ja einen großen Schaden angerichtet.

00:06:18: ,215 [Armin Preßlaber (Gast)] Ja, also in der Fläche hat es Gott sei Dank nicht viel Schaden angerichtet. Aber der Verbindungsweg, von der anderen Seite zu der Alm. Da haben wir die Kuhweide und die Felder, wo man meint, da war der Weg weg. Und da haben wir halt fast eine Woche wieder Arbeit gehabt, dass wir einen Weg instand setzen können. Ja.

00:06:37: ,976 [Christine Brugger (Moderatorin)] Liesl, du bist durchgehend im Sommer auf der Alm. Wenn ein Unwetter kommt, ist es zum Fürchten?

00:06:43: ,176 [Liesel Preßlaber (Gast)] Nein, eigentlich nicht. Na, na fürchten. Na fürchten weiß ich nicht, na.

00:06:51: ,296 [Christine Brugger (Moderatorin)] Damals ist auch das kleine Wasserkraftwerk am Petersbach zerstört worden. Mittlerweile gibt es ein größeres, neues.

00:07:01: ,796 [Armin Preßlaber (Gast)] Es ist nicht ganz zerstört worden. Es war die Wasserfassung und ein Teil der Leitung war zerstört. Aber mittlerweile haben wir das umgebaut. Haben wir ein größeres, ein stärkeres mit zwölf KW Leistung. Jetzt ist die Wasserfassung natürlich direkt im Bach drin. Wohl ein bisschen verstärkt, und ich hoffe, dass es nicht mehr so schlimm wird als 2017.

00:07:22: ,116 [Christine Brugger (Moderatorin)] Und wofür wird der Strom dann verwendet?

00:07:26: ,976 [Armin Preßlaber (Gast)] Also der Strom wird eigentlich für alles verwendet, was wir brauchen. Das wär mal zum Melken und der Kaskessel wird damit betrieben. Der Boiler seit ein paar Jahren, dass wir Warmwasser haben. Früher haben wir es mit Holz alles gemacht. Das Warmwasser, brauchen wir jetzt eigentlich fast nicht mehr. Das Brennholz ist im Überschuss oben, was wir nicht mehr brauchen. Und Licht, Kochen Ja, das Alltägliche. Aber das Wichtigste ist einmal die Melkmaschine und der Kaskessel und der Boiler. Ja.

00:07:55: ,876 [Christine Brugger (Moderatorin)] Heute gibt es fließend warmes, kaltes Wasser in der Hütte. Das war aber nicht immer so.

00:08:02: ,956 [Liesel Preßlaber (Gast)] Nein, das war nicht immer so! Früher haben wir das Wasser ins Haus getragen mit den Kübeln. Seit '91 haben wir dann halt einmal das Wasser ins Haus geleitet. Ja, es war eine Erleichterung.

00:08:13: ,116 [Christine Brugger (Moderatorin)] In welchem Zustand sind die Flächen? Armin.

00:08:17: ,656 [Armin Preßlaber (Gast)] Ja, die Flächen schauen wir alle Jahre ein bisschen, dass man die Rodung ein bisschen durchbringt. Ist zwar nicht so einfach, weil es viel Leit braucht und weil auch die Bestossung vom Vieh ganz wichtig ist. Aber so kleinweis richten wir es, alles werden wir nie richten, weil die Vegetation auch einfach viel weiter hinaufgeht. Weniger die Bäume, aber Almrosen und Krunewittstauden (Wacholderstauden). Und da schauen wir halt ein bisschen. Das bringt man fast bei der Größe gar nicht so leicht, mit der händischen Arbeit, gar nicht so leicht unter einen Hut, aber man schaut halt ein bisschen.

00:08:53: ,016 [Christine Brugger (Moderatorin)] Die Kessler Alm liegt in der Außenzone des Nationalparks Hohe Tauern. Was hat sich geändert durch die Werdung des Nationalparks? Eure Familie ist ja schon länger hier.

00:09:07: ,056 [Armin Preßlaber (Gast)] Ich bin mit dem aufgewachsen, dem Nationalpark schon. Aber förderungstechnisch und für die Gebäude tun sie uns eigentlich gut unterstützen. Und es gibt auch eine gute Zusammenarbeit, die Almbesitzer und der Nationalpark. Also ich kann nichts Schlechtes drüber sagen.

00:09:25: ,636 [Christine Brugger (Moderatorin)] Liesl, deine Almsaison beginnt Anfang Juni. Und wann war sie heuer zu Ende?

00:09:30: ,116 [Liesel Preßlaber (Gast)] Ja, Heuer war sie am 15. November zu Ende. Da hat es Plusgrade gehabt. Unten war es kälter. Ja, heroben war es heuer super. Ja.

00:09:42: ,316 [Christine Brugger (Moderatorin)] Szenenwechsel. Die Ökologin Susanne Aigner aus dem Kärntner Rosental berät den Nationalpark Hohe Tauern und die Almbauern und -bäuerinnen in Tirol, Salzburg und Kärnten. Ihre Arbeit beschreibt sie als Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Landwirtschaft. Von ihr möchte ich Wissen: Was ist das Besondere an den Almen?

00:10:06: ,496 [Susanne Aigner (Gast)] Die Almwirtschaft ist nach wie vor eigentlich eine sehr naturnahe Form der Bewirtschaftung. Sie wird von der Weidehaltung geprägt, das heißt, Rinder gehen über eine relativ große Fläche, weiden die Flächen auf manchen Almen sehr intensiv ab, auf manchen Almen extensiv ab, manche werden gekoppelt, manche nicht. Und daraus ergibt sich eine unheimliche Vielfalt an unterschiedlichen Nutzungen. Und es werden sehr viele, sehr viele Pflanzenarten durch diese Form der Nutzung gefördert. Man muss sich immer vorstellen, dass unter der Waldgrenze in der subalpinen Höhenstufe von Natur aus ein geschlossener Wald wäre. Im Nationalpark großteils Fichtenwälder, bodensauere Fichtenwälder und Lärchenzirbenwälder, weiter oben dann manchmal Latschenfelder, Grünerlengebüsche. Da kommt eine bestimmte Anzahl an Pflanzenarten vor. Aber wenn ihr diese Flächen jetzt beweidet, dann entsteht durch den Biss der Tiere, egal ob das jetzt Schafe, Rinder oder Pferde sind, entsteht ein Mosaik und verschiedene andere Pflanzenarten kommen auf. Und da gibt es eine Faustzahl der Biodiversität, die ich unheimlich schön find. Die sagt, dass auf jede Pflanzenart, die an einer Stelle vorkommt, 10 bis 100 verschiedene Tierarten, Insekten, Spinnentiere und andere Kleinlebewesen gebunden sind. Wir kennen das von der Brennnessel, da ist es bekannt 100 Schmetterlinge, gell? Aber auf jeder anderen Pflanzenart auch 10 bis 100 verschiedene Tierarten. Und wenn ich mir jetzt so einen Almlebensraum vorstelle mit ein bisschen Zwergstrauchheiden, ein bisschen Magerweiden, ein bisschen Fettweide, da ist wieder ein Moor drinnen, dann explodiert mir die Biodiversität förmlich. Und ich habe eine sehr, sehr große Vielfalt. Und das ist dann das, was aus naturschutzfachlicher Sicht an den Almen auch sehr wertvoll ist.

00:11:52: ,056 [Christine Brugger (Moderatorin)] Wie genau kann man jetzt Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung zusammenbringen?

00:12:00: ,764 [Susanne Aigner (Gast)] Das ist ganz, ganz eng miteinander verwoben im Nationalpark. Die ganzen Almen sind.Schutzgüter nach der FFH Richtlinie, nach der Flora Fauna Habitat Richtlinie. Es ist alles auch Natura 2000 Gebiet. In dieser Richtlinie ist eine ganze Reihe von Lebensräumen aufgelistet, die unter europaweiten Schutz stehen und darunter sind fast alle Magerweiden der Almen, die ganzen Borstgrasrasen, die Kalkmagerrasen, die primären Silicatrasen, also eigentlich fast alles, was beweidet wird und was nicht nährstoffreich ist, ist so ein Schutzgut. Und aus dem Grund hat auch der politische Naturschutz ein hohes Interesse, dass die Almen erhalten werden. Und das ist eigentlich auch die Basis, warum Naturschutz und Landwirtschaft auf den Almen so eng zusammenarbeiten und es auch sehr wichtig ist und gefördert werden kann, weil man damit auch diese Lebensräume erhaltet für die EU, für die Erfüllung dieser Naturschutzziele, der sehr Übergeordneten.

00:13:01: ,884 [Christine Brugger (Moderatorin)] Damit sind auch Pflichten seitens der Bewirtschafter:innen verbunden. Was müssen sie tun, um diesem Ziel zu entsprechen?

00:13:14: ,563 [Susanne Aigner (Gast)] Ja, das schlechteste ist eine großflächige Nutzungsauflassung. Sie werden irgendwann einmal zu Zwergstrauchheiden oder zu geschlossenen Wäldern. Das Wichtigste ist, dass eine standortangepasste Beweidung erfolgt. Das heißt, eine Beweidung, die nicht zu intensiv ist, aber auch nicht zu extensiv ist. In der Praxis heißt das zum Beispiel bei den Borstgrasrasen, dass sie kurz und scharf beweidet werden sollen, aber dass sie dann auch wieder eine Zeit haben, wo sie sich erholen können und wo sie zur Blüte gelangen können. eine Form dieser Nutzung wäre, wie es ja sehr oft betrieben wird, die Staffelweide. Die Rinder gehen mit der Vegetationsentwicklung nach oben und gehen dann im Herbst, werden sie wieder runtergetrieben oder man macht eine Koppelwirtschaft. Es ist ein Spagat, das klingt so leicht, aber das ist alles mit harter Arbeit für die Bewirtschafter auch verbunden. Weil man muss Zäune machen, man muss auch immer wieder nachschauen, wo sind die Tiere, wie schauen die Flächen aus und das gehört auch entsprechend finanziell unterstützt.

00:14:16: ,704 [Christine Brugger (Moderatorin)] Und da, wo Weidegang nicht möglich ist, da wird dann gemäht?

00:14:22: ,743 [Susanne Aigner (Gast)] Ja, früher, historisch war es tatsächlich so, dass alles, was zu steil war, um beweidet zu werden, ist gemäht worden, aus der Not heraus. Gott sei Dank haben wir bessere Zeiten, in denen es nicht mehr notwendig ist. Für die Natur Schade war natürlich sehr viele artenreiche Wiesen, die es geben hat, die heute nicht mehr genutzt werden, weil sie auch vor Beweidung einfach zu steil sind. Bergmäder sind generell stark vom Rückgang bedroht, weil die Fördersumme ist eine Entschädigung vom Aufwand, aber der tatsächliche Aufwand liegt meistens nachher noch einmal deutlich darüber. Es ist einfach sehr aufwendig und mit dem Rückgang der Rinderzahlen generell in manchen Bundesländern mehr, in manchen ist es noch ein bisschen verzögerter, wird das Almheu einfach als Futter nicht mehr gebraucht. Und das ist wirklich, das ist für mich eine der größten Bedrohungen in der Almwirtschaft, ist der Rückgang der Rinder im Tal. Wenn das Heu übrig bleibt und einfach genug da ist, dann geht man den Weg, der am einfachsten ist. Es sind ja fast alle Bauern oder sehr viele ja im Nebenerwerb. Die haben ja einen mehrfachen hohen, hohen, hohen Arbeitsdruck. Also das ist ja wirklich enorm, was die leisten. Und die steilen Flächen bleiben zurück. Und das sind halt dann oft die Flächen, wo eine hohe Biodiversität vorhanden ist.

00:15:42: ,742 [Christine Brugger (Moderatorin)] Sie haben die Förderungen angesprochen. Was genau haben die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer, denen die Flächen ja gehören, von einer naturschutzkonformen Bewirtschaftung?

00:15:54: ,844 [Susanne Aigner (Gast)] Das ist eine gute Frage. [lachen] Was haben die Bewirtschafter davon? Ich glaube, ich kann da schon sagen, dass sich jeder Almbauer freut, wenn er im Frühjahr die ersten Enzian sieht. Es freut sich jeder Almbauer, wenn er ein Edelweiß sieht, wenn er viel Arnika auf der Wiese hat. Also generell diese Blumenvielfalt, die öffnet das Herz von jedem Menschen und insbesondere die Herzen der Almbauern. Und das ist eigentlich das Hauptpositive, wo wirklich Biodiversität und diese Freude am Landschaftsbild zusammenkommt. Eine Düngung, eine intensive, ist auf den meisten Almen nicht in der Form möglich. Zumindest nicht, wenn Milchkühe eingestallt sind. Wenn keine Milchkühe vorhanden sind, fällt auf den Almen meistens auch kein Dünger an und dadurch ist das sowieso schon ein geschlossener Kreislauf im Einklang mit der Natur. Wenn dann natürlich sehr viel Kraftfutter raufgebracht wird, wenn das sehr viel gedüngt wird, dann ist das ganz was anderes. Dann sind das wirtschaftlich interessante Betriebe. Betriebe, die von der Milchproduktion leben. Und die handeln natürlich ganz anders. Für die ist das das Haupteinkommen und die muss man auch anders sehen wie eine reine Galtvieh-Alm. Die sind ganz verschieden zu betrachten. Also man kann das jetzt auch nicht alles idealisieren und jede Alm ist eine Insel der Biodiversität. Das ist es auch nicht. Aber auch auf den intensiveren Milchkuhalmen gibt es extensivere Bereiche, gibt es Randbereiche und auch dort gibt es Möglichkeiten, für die Biodiversität was zu tun. Auch wenn man auf den ersten Blick nur Fettweiden sieht. Wenn man dann ein bisschen genauer schaut, dann ist da ein Bach mit einem Ufer, dann sind da kleine magere Bereiche und auf die muss man dann schauen. Also man kann aus jeder Alm das Beste aus naturschutzfachlicher Sicht herausholen. Das ist oft nicht leicht, aber es ist ein schönes Ziel und ich glaube, das funktioniert da ganz gut.

00:17:45: ,663 [Christine Brugger (Moderatorin)] Was bringt es? Was bringt es an Förderungen, an finanzieller Unterstützung?

00:17:51: ,804 [Susanne Aigner (Gast)] Naja, es gibt verschiedene Fördermodelle, auch in den Bundesländern unterschiedliche Fördermodelle. In Osttirol gibt es jetzt seit fast 20 Jahren das Nationalpark Zertifikat für Almen, was wirklich maßgeschneidert ist und vom Nationalpark angeboten wird, wo die Almbewirtschafter für biodiversitätfördernde Maßnahmen, vor allem Erhaltung, Förderung von Borstgrasrasen, von artenreichen, aber auch als Nutzungsverzicht von Mooren vom Nationalpark den Aufwand abgegolten kriegt. Umgesetzt werden diese Maßnahmen großteils über den Maschinenring. Bleibt das Geld da in der Region von der Wertschöpfung her. In Kärnten gibt es auch diesen Naturschutzplan auf der Alm, wo konkrete Maßnahmen in Abstimmung mit dem Nationalpark auch gefördert werden und die Maßnahmen auch vom Nationalpark begleitet werden. Salzburg ist Ähnliches angedacht, aber gerade jetzt von Osttirol weiß jetzt die Zahl. Es sind jetzt 350 Hektar wirklich unter Vertragsnaturschutz gekommen in den letzten Jahren. Das haben wir jetzt gerade ausgewertet, was wirklich eine große Zahl ist.

00:18:54: ,154 [Christine Brugger (Moderatorin)] Was bedeutet das konkret? Vertragsnaturschutz.

00:18:58: ,944 [Susanne Aigner (Gast)] Die Grundeigentümer setzen Maßnahmen um, haben einen Vertrag, welche Flächen sie umsetzen, zum Beispiel ein bestimmtes Moor, das aus der Nutzung genommen wird. Das wird finanziell abgegolten. Oder sie machen eben Schwendmaßnahmen oder Weide herrichten. Es wird Betrag geschätzt von die Kosten und dann kriegen sie das entsprechend abgegolten.

00:19:19: ,564 [Christine Brugger (Moderatorin)] Und Schwendmaßnahmen bedeutet, dass bestimmte Zwergstraucharten oder auch Wacholder geschwendet werden, heißt sie werden rausgehackt, rausgerissen, damit die Almen nicht verbuschen. Das ist wohl eine der größten Herausforderungen, oder?

00:19:38: ,164 [Susanne Aigner (Gast)] Ja, das ist ganz entscheidend, dass das so gemacht wird, wie das den Naturschutzrichtlinien entspricht. Das heißt, man darf nicht mit einem Mulcher drüber fahren und die Zwergsträucher Ratzeputze abschneiden, sondern das muss so sein, dass eine hohe Biodiversität gewährleistet wird. Das heißt mosaikartig im Bereich von Steinen. Wenn es steil ist, wenn sehr flachgründig ist, dann werden die Gehölze belassen. Ein gewisser Anteil an Gehölzen wird belassen. Es soll ja keine Pflanze ausgerottet werden, sondern es soll ein möglichst vielfältiges Mosaik entstehen. Und das ist eben der Grund, warum das vom Naturschutz ausgefördert wird.

00:20:18: ,763 [Christine Brugger (Moderatorin)] Wenn wir über Veränderungen sprechen, durch Vegetation, durch Klima, durch mangelnde Niederschläge zum Beispiel. Wie lassen die sich objektiv messen, ob zum Guten oder zum Schlechten?

00:20:32: ,084 [Susanne Aigner (Gast)] So was objektiv zu messen ist schwer. Aber beinahe jede Alm muss Wasserleitungen neu bauen, neue Quellen erschließen und hat schon Probleme mit der Wasserversorgung gehabt oder Rinder sogar abtreiben müssen wegen Wassermangel. Also das ist ein neues, relativ neues Thema. Das habe ich früher nicht so gehört. Das zweite, was wirklich auffallend ist wo früher überhaupt keine Bäume waren, kommen jetzt Bäume. Und das ist eigentlich eine ganz einfache Rechnung, wenn wir drei Grad Klimaerwärmung haben und das haben wir in Alpin, dann heißt das, dass die Waldgrenze höher ist. Und da sieht man, man sieht die Bäume keimen, kleine Bäume sehr hoch oben. Das ist auch neu. Prinzipiell werden die Flächen ja wüchsiger. Jetzt haben wir da ein doppeltes Problem. Auf der einen Seite werden die Rinderzahlen immer weniger und auf der anderen Seite wird es wüchsiger.

00:21:29: ,484 [Christine Brugger (Moderatorin)] Und da setzt dann ihre Beratungsleistung zum Beispiel ein. Welche Rolle spielen Managementpläne oder Kartierungen?

00:21:41: ,604 [Susanne Aigner (Gast)] Eine der großen Gefahren, wenn man keine Kartierung hat, ist, dass man sagt, dann gut, dann tun wir halt den und den Hang nicht mehr beweiden und konzentrieren uns nur noch auf die unteren Bereiche oder nur auf die hüttennahen Bereiche. Und dann gehen aber genau die Flächen mit der hohen Biodiversität gehen dann verloren, wachsen zu, langfristig. Und das ist dann die Überzeugungsarbeit, dass man mit den Bewirtschaftern das vereinbart, dass sie diese Bereiche auch noch beweiden und sogar vielleicht besser beweiden. Und es gibt ja auch paar Möglichkeiten, darauf dann einzugehen auf diesen Überschuss an Futter. Da gibt es verschiedene Varianten und Lösungsvorschläge, die man dann gemeinsam erarbeiten kann.

00:22:24: ,164 [Christine Brugger (Moderatorin)] Wir machen wieder einen Schnitt. Diesmal geht es hinauf auf die Wildalm im Pinzgau. Hier bewirtschaftet der Verein Alpinus seit zwei Jahren 350 Hektar Almflächen, zufällig genauso groß wie die Kessler Alm in Osttirol. Mit einem spannenden Konzept. Ronja Landvogt ist Obmann-Stellvertreterin des Vereins Alpinus.

00:22:48: ,824 [Ronja Landvogt (Gast)] Die Wildalm liegt im Oberpinzgau, oberhalb von Neukirchen. Wir haben 350 Hektar Almfläche, davon sind circa 60 Hektar Weidefläche. Wir leben hier oben zusammen mit fast 200 Tieren. 20 Milchkühe. Ganz, ganz viele Ziegen, über 80 Ziegen, 52 Mutterkühe. Und dann noch Schweine und Pferde und Hühner. Ja, wir sind ein Team von ganz vielen verschiedenen Leuten. Wir sind immer mindestens zu viert hier oben, wechseln uns aber den ganzen Sommer ab mit den verschiedenen Aufgabenbereichen, so dass alle mal Urlaub machen können, mal verschiedene Aufgabenbereiche übernehmen können. Oder dass auch Leute von außen, die sich dafür interessieren, aber jetzt nicht den ganzen Sommer Zeit haben, mal in die Almwirtschaft reinschnuppern können.

00:23:40: ,804 [Christine Brugger (Moderatorin)] Das sind dann die Mitglieder des Vereins. 20 Milchkühe, wie viel Milch geben die und was passiert damit?

00:23:48: ,424 [Ronja Landvogt (Gast)] Ja, die geben hier oben natürlich ein bisschen weniger Milch als im Tal. 10 bis 20 Liter am Tag. Und die gesamte Milch verkäsen wir hier oben zu verschiedenen Käsen. Alles von Bergkäse bis Frischkäse, Mozzarella, Grillkäse, Joghurt, Ricotta, Butter. Genau, das stellen wir alles selber her in unserer mobilen Käserei, die in einem Container aufgebaut ist.

00:24:14: ,484 [Christine Brugger (Moderatorin)] Johannes Tildach ist verantwortlich für die Sennerei und wie kann man sich so einen mobilen Container vorstellen?

00:24:23: ,344 [Johannes Tildach (Gast)] Ich bin einer von den drei Käsern hier über den Sommer auf der Wildalm wird die Ronja gesagt hat, wir verarbeiten circa 250 im Durchschnitt 250 Liter Milch am Tag. Wir haben da eine mobile Käserei eingerichtet und einen mobilen Reiferaum, ein Schiffscontainer, der mit Wasserkühlung umgebaut worden ist, zu einem Reiferaum. Und ja, wie kann man sich diesen Tag vorstellen? Also wenn die Milch beisammen ist, übernimmt man die Milch in der Käserei und prüft noch die Qualität und entscheidet dann meistens schon im Vorfeld laut Produktionsplan, was man für eine Produkte brauchen. Für den Markt oder für uns, für die Gastronomie oder für den Weierhof, unseren Verpächter, den wir auch beliefern mit Produkten und ähm die Milch wird angenommen. Wenn jetzt ein Bergkäsetag ist, dann wird der Käsekessel gefüllt mit der Abendmilch und mit der Morgenmilch. Dann werden Mikroorganismen zugegeben, um die Milch noch lebendiger zu machen, wie sie ist. Ahh anschließend wird sie eingelabt, geschnitten und dann möglichst bei Bergkäse klein geschnitten und dann hoch gebrennt über 52 Grad. Die Käse werden abgefüllt, mehrmals gewendet und ja, dann hofft man, dass drei Monate später ein guter Käse rauskommt.

00:25:44: ,444 [Christine Brugger (Moderatorin)] Die Prozedere ist wie bei jeder Sennerei Molkerei im Tal. Das Besondere, wir sind hier auf 1700 Meter Seehöhe. Das braucht Energie, es braucht Wasser, es braucht warmes Wasser. Für die Technik ist Andi Görner zuständig. Wie funktioniert das alles?

00:26:05: ,424 [Andi Görner (Gast)] Wir sind hier auf einem Nordhang, was erstmal nicht so günstig klingt für Solar. Allerdings ist es bei uns so, wir sind im Oberpinzgau der Fleck, der zuerst Sonne bekommt und der, der noch am längsten Sonne hat. Deswegen hat unsere Photovoltaikanlage eine relativ gute Energieausbeute. Die haben wir auch mitgebracht, haben insgesamt dort 16 Kilowatt installiert und eine 15 Kilowattstunden Speicher, mit dem wir unsere gesamte elektrische Energie erzeugen können. Daneben haben wir für Warmwasser uns auch noch einen Warmwasserspeicher installieren müssen. Der wird bei viel Sonne vor allem mit Strom geheizt. Bei weniger Sonne haben wir ein Stückgut Heizung, mit dem wir die notwendige Wärme erzeugen können.

00:26:49: ,184 [Christine Brugger (Moderatorin)] Claudia Greimel ist neben ihrer Tätigkeit als Hirtin sie kümmert sich um die Mutterkühe und um die Hühner, auch für die Märkte und für den Almausschank hier auf der Wildalm zuständig. Wie kommen die Produkte an?

00:27:03: ,284 [Claudia Greimel (Gast)] Ja, erfreulicherweise kommen unsere Produkte sehr gut an und wir haben während des ganzen Sommers auch schon eine, eine ganz gute Stammkundschaft auf den Märkten aufbauen können, teilweise sogar schon mit Vorreservierungen für die nächste Woche und Vorbestellungen, was uns natürlich wahnsinnig freut. Gleichzeitig freuen wir uns dann auch immer, wenn unsere Stammgäste uns auf der Alm besuchen. Wir haben wöchentlich immer wechselnde warme Gerichte in einer etwas anderen Almausschank, als man das vielleicht von anderen Almen kennt. Beispielsweise Almpizza, die man im Holzbackofen ganz frisch machen mit selbstgemachtem Mozzarella. Wir haben Grill- Käseburger, wo man die Burger buns selber backen, Grillkäse selber herstellen und ja, den Gästen schmeckt's. Und das freut uns natürlich wahnsinnig.

00:27:49: ,764 [Christine Brugger (Moderatorin)] Etwas anders ist auch das Konzept, das hinter der Wildalm steht. Was wollt ihr damit erreichen? Oder zeigen? Vielleicht sogar beweisen.

00:27:59: ,564 [Ronja Landvogt (Gast)] Dass Almwirtschaft auch im 21. Jahrhundert funktionieren kann auf eine moderne und neu interpretierte Art. Unser Ziel ist es, dass wir Almen wiederbeleben, die sonst nicht wirtschaftlich oder nicht attraktiv genug sind als Standort. Und dafür entwickeln wir Konzepte auf ganz vielen verschiedenen Ebenen. Also einerseits die Infrastrukturebene, andererseits auch Teammeetings. Wie gehen wir miteinander um? Wie ist unsere Kommunikation? Wir haben ganz viel Reflexionstreffen und auch regelmäßige Treffen hier oben. Und das ist für uns einfach ganz wichtig, dass das Team zusammen funktioniert, dass alle Spaß haben, dass jeder einen guten Sommer hat. Besonders wichtig ist uns auch die Wissensvermittlung. Jemand, der jetzt irgendwie in der Stadt wohnt und einen normalen Job hat, der kann nicht vier Monate im Jahr einfach so auf die Alm kommen. Aber in unserem modularen Konzept können wir sagen okay, unterstütze uns für eine Woche, für zwei Wochen, für einen Monat, so lange du Zeit und Lust hast. Ich glaube, das unterscheidet uns halt von anderen Almen, die vielleicht schon immer so gab, wo eben die ganze Großfamilie den Laden schmeißt. Und so wird das Ganze dann leichter und lockerer und moderner und innovativ.

00:29:16: ,044 [Christine Brugger (Moderatorin)] Leichter, innovativ. Wo seid ihr an eure Grenzen gestoßen? Wo hat es mal gehakt?

00:29:24: ,724 [Andi Görner (Gast)] Ja, schon allein ähm der Zeitrahmen, den wir haben, der hat uns letztes Jahr im ersten Jahr ganz schön gefordert. Es lag noch bis Mitte Mai relativ viel Schnee. Es hat noch am 12. Juni geschneit, und wir mussten aber innerhalb von ja knapp drei Wochen ein komplettes System aufbauen, mit dem wir am Ende Käse erzeugen können. Die Kühe darf man nicht zu spät hochholen, sonst wird das Gras überständig. Und dadurch war einfach die, die Zeit zu Beginn sehr limitierend. Wir haben mit vielen Provisorien starten müssen. Ja, das war zu Beginn sehr, sehr herausfordernd.

00:29:58: ,804 [Christine Brugger (Moderatorin)] Das zweite Jahr ist leichter.

00:30:01: ,564 [Johannes Tildach (Gast)] Ja, bestimmt steigt man im zweiten Jahr mit schon einem gewissen Erfahrungswert ein. Man ist immer täglich konfrontiert mit irgendwelchen Herausforderungen. Wir sind hier zwar nicht ganz abgeschieden vom Tal, aber allerdings braucht man oft rasche und geschickte Lösungen, um den Ablauf, den die Tiere und die Natur vorgeben, sozusagen einhalten zu können.

00:30:22: ,600 [Christine Brugger (Moderatorin)] Die Wildalm liegt in der Außenzone des Nationalparks Hohe Tauern. Was bedeutet dieses Wirtschaften im Schutzgebiet für euch?

00:30:32: ,899 [Ronja Landvogt (Gast)] Für uns bedeutet das natürlich auch, dass wir ein bisschen extensiver wirtschaften. Wir haben uns für den Vertragsnaturschutz entschieden, was bedeutet, dass wir limitiert sind mit der Viehanzahl, die wir hier oben haben können. Andererseits bekommen wir auch Förderungen dafür. So ist es irgendwie ein Geben und Nehmen von Landwirtschaft, Almwirtschaft und Naturschutz. Unsere Flächen wurden jetzt diesen Sommer zum Beispiel für die Almererhebung kartiert und begutachtet. Da sind wir auch mitgelaufen mit den Ökologen und haben uns unsere eigenen Flächen, die für uns aber auch noch neu sind, weil wir hier erst den zweiten Sommer sind, ein bisschen erklären lassen, was auch total spannend war. Genau. Wir versuchen auch, in Kooperation zu treten mit dem Nationalpark, dass wir hier oben unser Workshopangebot noch ausbauen können. Wir bieten Workshops zum Brotbacken und zum Käsen an und vielleicht in Zukunft auch noch für Almökologie. Und da sind wir eigentlich immer im regen Austausch und bauen das jetzt auf in den nächsten Jahren.

00:31:32: ,400 [Christine Brugger (Moderatorin)] Zwei auf den ersten Blick unterschiedliche Konzepte haben wir im heutigen Podcast kennengelernt. Aber was die Kessler Alm und die Wildalm verbindet, ist die Leidenschaft der handelnden Personen für die Almen. Was braucht es schließlich, damit das Kulturgut Alm, wie Susanne Aigner es beschreibt, auch in Zukunft bestehen kann?

00:31:55: ,360 [Susanne Aigner (Gast)] Bei den handelnden Personen sind sie vor allem einmal die Almbewirtschafter, die das umsetzen müssen, die das machen müssen. Das ist einfach ein sehr, sehr großer Arbeitsaufwand. Und wenn die Almbewirtschafter die Freude an der Almwirtschaft verlieren, das ist der Untergang glaub ich der Almwirtschaft. Wenn man den Almbewirtschaftern sagen, dass das Fleisch, das auf der Alm produziert wird, klimaschädlich ist. Das ist das letzte, was wir brauchen. Das brauchen wir nicht, weil es ist nicht so. Das ist die naturnaheste Form der Fleischproduktion ist die Almwirtschaft. Das Bewusstsein brauchen wir. Wir brauchen das Bewusstsein, dass Fleisch auf höchstem Niveau auf den Almen produziert wird. Das ist einmal das A und O und das Allerwichtigste, dass die Almbewirtschafter stolz sind auf ihre Produkte und auf ihre Flächen. Und wenn man die handelnden Personen von der anderen Seite her nehmen, dann nehmen wir die Bevölkerung und die Konsumenten. Dann wäre eine Wertschätzung schön, eine Wertschätzung für die Almprodukte, eine Wertschätzung der Arbeit, die dort obengleistet wird, sehr, sehr wichtig. Das ist. Leider ist diese Wertschätzung nicht immer da. Und da gehört Öffentlichkeitsarbeit gemacht, dass das einfach wirklich eine herausragende Leistung ist. Und von der Politik und von den Fördermitteln braucht man ganz viel. [lachen]

00:33:13: ,520 [Christine Brugger (Moderatorin)] Ein schönes Schlusswort. [Hintergrundmusik] Und damit verabschiedet sich auch Christine Brugger für heute, die sich schon heimlich auf den nächsten Almsommer freut. Danke fürs Zuhorchen und bis zum nächsten Mal.

00:33:31: ,480 [Christian Brunner (Off-Sprecher)] Das war aufgehorcht. Ein Stück Natur für deine Ohren. Mehr davon? Entdecke alle Folgen auf hohtauern. at und auf Spotify. Oder noch besser: Vorbeikommen und den Nationalpark Hohe Tauern live erleben.

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